Buchmanuskript überarbeiten: Text

Text selbst verbessern

 

Text selbst verbessern

 

Wenn wir schreiben, lassen wir unseren Gedanken oft freien Lauf. Das ist auch gut so, um ein Manuskript zu Ende zu bringen. Aber: Der Text muss überarbeitet werden, denn es werden sich nicht nur einzelne Fehler, sondern auch viele andere verbesserungswürdige Stellen darin finden. 

 

Eine meiner wichtigsten Aufgaben im Lektorat ist die Arbeit am Text selbst. Dabei begegnen mir häufig die gleichen vermeidbaren Fehler und Ausdrucksweisen. Aus dieser Erfahrung gebe ich gerne einige Tipps weiter, die Ihnen bei der Überarbeitung Ihres Werkes hilfreich sein können ...

 

 

Mit Worten Spannung erzeugen

 

Mit Worten (oder weniger Worten) können Sie Spannung erzeugen oder Ihren Text flüssiger und lesbarer machen.

 

Schauplätze, Handlungen und Figuren sollten nicht einfach nur beschrieben werden. LeserInnen erkennen etwa Gefühle oder Stimmungen zuverlässig und deutlich, indem man etwas zeigt, das ihre Sinne anspricht. So entstehen Bilder im Kopf, die intensiver und deutlich lebendiger sind als bloße Beschreibungen, die keinen Raum für Fantasie lassen. 

 

Einfaches Beispiel: 

Er hatte es offenbar eilig oder langweilte sich, als ich das erzählte. Besser ist eine Handlung, die das Beschriebene zeigt: 

Er blickte zweimal auf seine Uhr, als ich das erzählte.

Das lässt Ihre LeserInnen zuverlässig vermuten, dass er es eilig hatte oder sich langweilte, aber es ist für sie wesentlich spannender, weil ihre eigene Vorstellung gefragt ist. 

 

 

Dialoge

 

Dialoge sollten so gut wie möglich geschrieben werden.

 

Dialoge sind ein gutes Mittel, um wichtige Aussagen im Text wesentlich interessanter darzustellen. Sie sind lebendiger und lesen sich besser als bloß Erzähltes, aber nur, wenn sie gut sind und eine gewisse Spannung erzeugen.

 

Direkte Gefühlsäußerungen oder Antworten, wie wir sie aus dem Alltag kennen, sind im geschriebenen Dialog meist nur langweiliges Gerede. Im folgenden einfachen Beispiel ist die Aussage, die zum Dialog werden soll: Sie hatten Angst, irgendetwas näherte sich.

 

Langweiliger Dialog: „Hörst du das? Ich fürchte mich, weißt du.“ – „Ja, da kommt wohl etwas auf uns zu!“

Besser: „Hörst du das Rascheln? Es geht gar kein Wind …“ –  „Wie schnell kannst du laufen?“ 

Unzählige Variationen stehen für gute und spannende Dialoge zur Verfügung, nutzen Sie sie. 

 

Zeichenfehler

AutorInnen sollten auch um die richtige Zeichensetzung bei Verwendung der direkten Rede wissen. „Alles klar!“, sagte der Autor. „Ich kümmere mich demnächst darum.“


 

Wiederholungen

 

Nichts kann so spannend sein, dass es wiederholt erwähnt werden müsste. Auch der AutorInnen-Kommentar „wie erwähnt“ sollte in keinem Buchmanuskript vorkommen. 

 

Wortwiederholungen in Sätzen oder aufeinanderfolgenden Sätzen müssen aufgespürt werden. Das wiederholte Wort wird durch ein Synonym ersetzt, oder die gesamte Stelle wird neu formuliert. Übertriebenes Beispiel: 

Die Kinder spielten häufig mit dem Ball. Manchmal spielten sie aber auch mit Murmeln. Ihre Mutter spielte dann auch manchmal mit. (Tut weh!)

 

Sinngemäße Wiederholungen zu einem Gefühlszustand oder Ähnlichem sollten weggelassen werden. Einfaches Beispiel:

Sie war aufgeregt, nervös und außer sich.

Was zu viel ist, ist zu viel. Eine dieser Beschreibungen genügt, gewöhnlich die passendste Alternative, zum Beispiel:

Sie war außer sich.


Manchmal werden solche Wiederholungen von detailreichen Erklärungen begleitet:

Sie war außer sich über das eben Gehörte, das er erzählt hatte.

Solche Konstruktionen entstehen, wenn AutorInnen sichergehen wollen, dass ihre LeserInnen auch alles ganz genau verstehen. Letztere glauben dann, dass sie für Dummköpfe gehalten werden. Reaktionen auf Ereignisse ergeben sich selbstverständlich aus der Geschichte selbst, und die unnützen Erklärungen sind zu streichen. Dadurch gewinnt der Text immer.

 

Zusammengefasst:

Sie war aufgeregt, nervös und außer sich über das eben Gehörte, das er erzählt hatte, kann viel besser mit dem so unspektakulären wie informativen Satz ausgedrückt werden: Sie war außer sich.

 

 

Starke Verben

 

Die Hilfsverben sein/haben und war/hatte sollten so oft wie möglich durch starke Verben ersetzt werden.

 

Sie verfügen über einen stärkeren Informationsgehalt. Einfaches Beispiel:

Sie hatte Grippesymptome. (belanglose Information) 

Besser: Sie plagte hohes Fieber. 

 

Aktiv statt Passiv

So wie ein starkes Verb steigert auch das Aktiv die Dynamik eines Textes. Einfaches Beispiel:

Sie wurde von ihnen beschimpft und mit Tomaten beworfen.  

Besser: Sie beschimpften sie und warfen mit Tomaten nach ihr. 

 

Dass-Sätze

Dass-Sätze halten beim Lesen unnötig auf, sie stören den Lesefluss und sollten daher sparsam eingesetzt werden.

Er wusste, dass es falsch war.

Besser: Er wusste, es war falsch.

Mit Infintivgruppen können sie oft umschrieben werden. Einfaches Beispiel:

Sie erinnerte ihn daran, dass er endlich wieder schreiben sollte.

Sie erinnerte ihn daran, endlich wieder zu schreiben.

 

 

Andere Kleinigkeiten

 

Füllwörter

Das sind jene Wörter, die wir gerne im Alltag verwenden und deshalb auch in unsere Texte einfließen lassen.

 

Dazu gehören: natürlich, wieder, auch, immer, schließlich, leider, eigentlich, tatsächlich, irgendwie, ganz, wahrscheinlich ... sowie Kombinationen davon.

Diese Wörter können so gut wie immer ersatzlos gestrichen werden. Sie klingen oft nach Kommentaren des Autors, die fehl am Platz sind. Zum Beispiel:

Sie suchte natürlich wieder in der Tasche, hatte aber leider kein Geld bei sich. Der Taxifahrer schaute irgendwie auch nicht mehr so freundlich.

Die Streichung von allen fünf Füllwörtern kann sich hier nur positiv auswirken:

Sie suchte in der Tasche, hatte aber kein Geld bei sich. Der Taxifahrer schaute nicht mehr so freundlich.

 

Vergleiche

Gute und schlüssige Vergleiche formen, Vergleiche, die jeder kennt, vermeiden. Schlau wie ein Fuchs hört sich so abgegriffen an wie nasses Wasser. Er summte vor sich hin wie ein Hummelchor – ist hingegen wohl viel zu übertrieben.

 

Ich stelle in diesen Beiträgen meine Arbeit mit erzählenden Texten vor. In der Praxis bereite ich sie für das Senden an Verlage oder für Selbstveröffentlichungen vor.

Trotz eines Lektorats ist eine vorherige gründliche Überarbeitung des Manuskripts durch den Autor oder die Autorin Pflicht und gehört zu seiner beziehungsweise ihrer Kunst. Meine Aufgabe als Lektorin ist es, AutorInnen auf letzte Schwachstellen in ihren Texten hinzuweisen, Vorschläge für abschließende Verbesserungen zu geben und die Textkorrekturen vorzunehmen, also den Manuskripten den letzten Schliff zu verleihen. 

 

Es wird ein Buch!

Ihre Lektorin Sonja Mischkulnig © 


Bildquellen: Pixabay, Lektorat Mag. Mischkulnig