Buchmanuskript überarbeiten: Story

Handlung und Hauptfiguren überprüfen

 

Endlich fertig! ... Oder? 

 

Fertig? Respekt, ich weiß, wie viel Arbeit das ist.

Sie sind zufrieden und das ist gut so. Das ist aber nur die erste Hürde. Die Phase der Überarbeitung beginnt. Das ist eine große Herausforderung, beginnen Sie am besten mit dem Überprüfen der Geschichte.

 

Ein großer Teil meiner Arbeit im Lektorat besteht darin, in erzählenden Texten inhaltliche oder strukturelle Schwach-stellen aufzuspüren. Aus dieser Erfahrung gebe ich gerne einige Tipps weiter, die Ihnen bei der ersten Überarbeitung Ihres Manuskripts nützlich sein können ...

 

Innere Logik und Handlung

 

Die Logik und Glaubwürdigkeit der einzelnen Szenen und des gesamten Manuskripts müssen gewissenhaft überprüft werden.

 

Handlungen müssen immer gut motiviert sein, das heißt, keine Handlung darf wie an den Haaren herbeigezogen wirken, und das Einsetzen von Zufällen zur Steuerung der Handlung ist zu vermeiden, da dies nicht gerade vom Können eines Autors oder einer Autorin zeugt. Besonderes Augenmerk sollten Sie auf einen spannenden Anfang richten, der zum Weiterlesen motiviert. Ebenso wichtig ist ein wirklich zufriedenstellender Schluss. Finden die losen Enden der Geschichte (möglichst ohne Zufälle) zueinander? Wurden alle Ereignisse und Handlungen aufgeklärt?

 

Nichts ist frustrierender für LeserInnen, als sich die Fragen stellen zu müssen: „Und was war nun mit dem Mädchen, das kurz vor dem Ende so plötzlich aufgetaucht ist?, „Wie hat der Held das jetzt auf einmal so einfach hingekriegt? 

Oder gar: „Nun kenne ich mich überhaupt nicht mehr aus!

 

Die eingeführten Handlungsstränge und Szenen müssen die Geschichte immer voranbringen, sonst wirken sie wie mangels an Ideen hinzuerfunden oder schlicht wie sinnloser Tratsch. Sie stören Spannung und Lesefluss des Textes.

 

Sind alle Handlungen, Szenen und Figuren in sich logisch? Stimmt auch nach sechs Kapiteln das Landschaftsbild einer Gegend noch mit ihrem Entwurf im ersten Kapitel überein? Werden einschneidende Ereignisse auch genügend angedeutet? Wenn etwa die friedliebende Hauptfigur in der Mitte des Textes plötzlich mit einer Waffe in der Hand über harmlose Bürger herfällt, muss vorher irgendetwas darauf hinweisen, ansonsten ist es unglaubwürdig. Ebenso, wenn der Held in einer öden Wüste später in derselben an einer fröhlich sprudelnden Quelle sitzt, es sei denn, sie hätte sich vor seinen Augen in magischer Weise aufgetan. Aber selbst dieses Wunder muss durch irgendetwas begründet sein.

 

Es gilt zu überprüfen, dass Handlungen genügend motiviert sind und sich im Manuskript nichts widerspricht, auch nicht in Details. Ihre LeserInnen würden das sicher bemerken.

 

 

Streichen

 

Streichen tut manchmal weh, aber es zahlt sich aus.

 

Alles streichen, was nicht zum Verlauf der Geschichte beiträgt. Das können Sätze, einzelne Wörter oder ganze Szenen sein. Überflüssiges schadet dem schriftlichen Werk ungemein.

 

Die detaillierte Beschreibung eines Buches im Bücherregal sollte im Text nur einen Platz bekommen, wenn es ein besonderes Buch ist und für die Geschichte Bedeutung hat. Langweilige Beschreibungen irgendwelcher Dinge oder Nebenfiguren, die keine Rolle spielen, wie etwa die Frisur der Trafikantin, bei der der Held gerade gespannt die Tageszeitung mit dem heiß erwarteten Mordbericht kauft, können ersatzlos gestrichen werden. Sofern diese Frisur für die Handlung oder den Helden unwichtig ist.

 

Wenn Sie bei Ihrer Überarbeitung das Gefühl haben, dass einzelne Szenen nicht gut genug sind, sollten Sie sich diesen verstärkt widmen. Vermutlich ist es wahr. Schreiben Sie sie um.

 

Wichtig in diesem Zusammenhang ist aber auch, Textstellen nicht durch zu eifriges Verbessern schlechter zu machen. Wenn Sie bei einer Szene unsicher sind, wie Sie sie umformulieren sollen, lassen Sie es lieber. Sie können sich ihr später noch einmal zuwenden. Nach einiger Zeit kommen Ideen oft wie von ganz allein. 

 

 

Hauptfiguren und ihre Geschichte

 

Ein erzählender Text lebt vor allem von seinen Figuren.

 

Die Hauptfiguren müssen daher gut entwickelt sein, denn Ihre LeserInnen möchten sie sich vorstellen können und sich mit ihnen identifizieren. Dabei hilft es, Ihren Helden und Heldinnen eine eigene Lebensgeschichte zu geben, selbst wenn diese im Manuskript gar nicht vorkommt oder nicht wichtig ist. So lernen Sie Ihre Figuren besser kennen und lassen sie in den verschiedenen Situationen stimmig handeln. Sie wissen dadurch, welches Vorgehen zu ihnen passt oder eben nicht. 

 

Mit dazu gehört es folglich zu wissen, in welchem Umfeld sie sich aufhalten oder in der Vergangenheit aufgehalten haben. Damit sind nicht endlose Beschreibungen von Umständen oder Umgebungen gemeint. Zu viele Details sind oft ermüdend, während manche Details sehr wichtig sind, wie etwa die dadurch entstandenen besonderen Prägungen und Verhaltensweisen der Hauptfiguren.

 

Ihre LeserInnen möchten sich auch darüber ein Bild machen, wo die Hauptfigur gerade ist oder wohin sie diese gerade begleiten. Wenn der Held zwei Tage lang durch ein dunkles Moor geht, möchten sie das mit Bildern im Kopf tun.

 

Außerdem sollten Sie keine Dinge interessant machen, die in der Geschichte später keine weitere Wichtigkeit haben.

LeserInnen sind kritisch und leicht zu enttäuschen.

 

 

ErstleserInnen, möglichst kritisch

 

Wenn sie mit der Überarbeitung fertig sind, sollte auf jeden Fall jemand das Manuskript lesen.

 

ErstleserInnen bemerken manchmal Unstimmigkeiten in der Handlung, die sie selbst deshalb nicht sehen können, weil Sie sich zu lange und im Detail mit dem Text beschäftigt haben. Diese Person sollte jemand mit guten Kenntnissen der deutschen Sprache sein, eine Person, die möglichst auch gern und viel liest und daher Erfahrung hat. Sie sollte keine zu eng befreundeter Mensch sein, der mit Kritik Ihrem Text gegenüber zurückhaltend sein könnte. Eine ehrliche und nicht von Schonung geprägte Rückmeldung ist erwünscht.

 

Für Kinderbücher sind Kinder als Erstleser ideal. Sie sind sehr offen, wenn sie etwas nicht verstehen. Und diese Hinweise auf Schwachstellen im Text sind für einen Kinderbuchautor oder eine Kinderbuchautorin mit Gold nicht aufzuwiegen.

 

Es versteht sich von selbst, dass gekränkte Eitelkeit hier keinen Platz hat, es handelt sich um jene wertvolle Kritik, mit der Sie Ihren Text nur verbessern können. Um diese überhaupt äußern zu können, bedarf es einiger Arbeit von ihrem Helfer oder ihrer Helferin. Zeigen Sie sich dankbar.

 

Oder gehen Sie auf Nummer sicher und vertrauen Sie Ihren Text einem professionellen Lektorat an (Werbung in eigener Sache). 

 

Ich stelle in diesen Beiträgen meine Arbeit mit erzählenden Texten vor. In der Praxis bereite ich sie für das Senden an Verlage oder für Selbstveröffentlichungen vor. 

Trotz eines Lektorats ist die gründliche Überarbeitung des Manuskripts durch den Autor oder die Autorin Pflicht und gehört zur Kunst des Schreibens. Meine Aufgabe als Lektorin ist es, AutorInnen auf letzte Schwachstellen in ihren Texten hinzuweisen, abschließende Vorschläge für Verbesserungen zu geben und die Textkorrekturen vorzunehmen, also den Manuskripten den letzten Schliff zu verleihen. 

 

Es wird ein Buch!

Ihre Lektorin Sonja Mischkulnig ©


Bildquellen: Lektorat Mag. Mischkulnig, Pixabay